HOLOPLOT und Jan St. Werner kreieren mit „The Spatio Sensory Soundcheck“ immersiven Erlebnisraum

Etienne Bissuel

8 minuten

Wie lässt sich eine Hörerfahrung schaffen, die etablierte Strukturen dekonstruiert und mit elektronisch erzeugten Effekten sowie bewusst eingesetzten Artefakten in ein neuartiges Sound-Universum überführt? Mittels 3D Beamforming von HOLOPLOT.

HOLOPLOT und Jan St. Werner kreieren mit „The Spatio Sensory Soundcheck“ immersiven Erlebnisraum
HOLOPLOT und Jan St. Werner kreieren mit „The Spatio Sensory Soundcheck“ immersiven Erlebnisraum

Etienne Bissuel

8 minuten

17/12/2019

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Right the Right - Ideas for Music, Copyright and Access“ ließ eine außergewöhnliche Klanginstallation aufhorchen: Unter dem Titel „The Spatio Sensory Soundcheck“ gewährte Jan St. Werner im November 2019 im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) Einblicke in seine kreative Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Indierock-Formation The National. HOLOPLOT Technologie trug entscheidend dazu bei, dass der Künstler seine zukunftsweisenden Klangvisionen in überzeugender Form vermitteln und den Besuchern unvergessliche Klangmomente bescheren konnte. Die mit dem AV Award 2019 ausgezeichnete HOLOPLOT Technologie setzt das Prinzip der Wellenfeldsynthese mit ausgeklügelten Algorithmen und Echtzeit-Audioverarbeitung praxistauglich um.

 

Interview mit Jan St. Werner

Jan St. Werner ist Teil des seit mehr als einem Vierteljahrhundert erfolgreichen Elektronik-Duos Mouse on Mars. Für „The Spatio Sensory Soundcheck“ kombinierte er Aufnahmen eines Soundchecks sowie Album-Tracks von The National mit bestehenden und neuen Klangelementen.

Die Installation im HKW ist mit „The Spatial Sensory Soundcheck“ betitelt. Was ist der Hintergrund?

Jan St. Werner: Im Jahr 2018 haben wir bei einem Konzert von The National in Wisconsin auf einer eigens für musikalische Gäste errichteten Bühne gespielt.Auf dieser Gästebühne habe ich dem Soundcheck von The National zugehört und fand das, was es alles zu hören gab sehr spannend, die angespielten Songs, die Talkbacks der Crew, die kurzen Improvisationen und Soli. Ich ließ ein ganz simples Aufnahmegerät mitlaufen, habe mir das Recording später dann noch einmal angehört und dachte sofort, dass das Material eigentlich eine großartige Platte von The National ergeben könnte, wenn man es noch ein wenig ausdifferenzieren würde.

Wie kam es zur Installation im HKW?

Jan St. Werner: Detlef Diederichsen, der die „Right the Right“-Veranstaltungsreihe im HKW kuratiert, hatte mich vor einiger Zeit angesprochen und gefragt, ob wir etwas zum Thema „Urheberrecht in der Krise“ beitragen möchten. Bei Detlefs Anfrage war für mich sofort klar, dass die beim Soundcheck von The National entstandenen Aufnahmen perfekt zu seinem Konzept passen würden.

Was ist für Dich das Besondere an HOLOPLOT?

Jan St. Werner: Als ich das erste Mal von HOLOPLOT hörte, habe ich sofort große Ohren bekommen und ahnte bereits, dass ich meine Mischungen für die Wiedergabe per Wellenfeldsynthese noch einmal anders denken muss. Bei der klassischen WFS kommen Lautsprecher zum Einsatz, welche um den Zuhörerbereich herum installiert sind und die Objektlokalisation auf einer Ebene ermöglichen. Im HKW setzen wir jedoch HOLOPLOT Technologie ein, bei der sich eine Lautsprechermatrix frontal vor dem Zuhörerbereich befindet – Klangobjekte können hier im Mix mithilfe von 3D Beamforming im Raum platziert werden. Ganz konkret zielt in der Installation unter anderem ein fokussierter Beam auf einen rückwärtig angebrachten Reflektor, und die Zuhörer nehmen dadurch Schallereignisse auch als von hinten kommend wahr. Das funktioniert ebenfalls sehr gut mit Wänden und der Decke – die Ortung ist stets klar definiert, aber von den Anwesenden wird nicht unbedingt der Lautsprecher als Quelle wahrgenommen!

Bei HOLOPLOT wird nicht gegen, sondern mit dem Raum gearbeitet!

Jan St. Werner

Mouse on Mars

Wie bewertest Du diese besonderen Wiedergabemöglichkeiten?

Jan St. Werner: Bei HOLOPLOT finde ich es toll, dass der Raum als Teil der PA verstanden wird. Ich betrachte das als einen radikalen Schritt, den ich andernorts in dieser Konsequenz nicht unbedingt sehe. Bei HOLOPLOT wird nicht gegen, sondern mit dem Raum gearbeitet! Für mich bewegt sich das HOLOPLOT System mit seiner Sensibilität für die Umgebung exakt in die richtige Richtung, und diese Sensibilität überträgt sich auch auf Personen, die dem Klang gemeinsam mit mir lauschen.

Wie siehst Du die künftige Entwicklung der Beschallung?

Jan St. Werner: Ich glaube, dass sich die Beschallung künftig ebenso wie gesellschaftliche und politische Prozesse in Parallelspuren entwickeln wird. Ich weiß, dass das, was wir in Berlin mit der 3D Beamforming Technologie von HOLOPLOT machen, für viele Menschen interessant ist. Auf der anderen Seite habe ich einen Freund, der sich intensiv mit elektronischer Musik befasst und überhaupt nicht nachvollziehen kann, was mich an Spatial Sound so fasziniert - für ihn ist eine monophone Wiedergabe total in Ordnung.

Du bist einer der ersten Künstler, der die Möglichkeit besitzt, mit einem HOLOPLOT System zu arbeiten. Wie würdest Du Deine grundsätzliche Erfahrung mit HOLOPLOT beschreiben?

Jan St. Werner: Bei „The Spatial Sensory Soundcheck“ habe ich versucht, mit der HOLOPLOT Technologie wie mit einem innovativen, dynamisch agierenden Musikinstrument zu arbeiten, was ich total spannend fand!

Dem Vernehmen nach gab kurzfristig noch einen Umbau vor Eröffnung der Ausstellung.

Jan St. Werner: Ja, denn ursprünglich wollten wir die Lautsprechermatrix mit einem Vorhang verdecken. Bei der HOLOPLOT Technologie ist das im Gegensatz zu den Konzepten anderer Marktteilnehmer möglich, was bei kreativen wie kommerziellen Installationen ein großer Vorteil sein kann. Letztlich habe ich den Vorhang dann aber doch entfernt, weil mir aufgefallen ist, dass die von hinten kommenden Effekte viel intensiver wirken, wenn die Zuschauer die Lautsprechermatrix und somit die mutmaßliche Schallquelle vor sich sehen. Deine Augen erkennen dann, dass sich Lautsprecher vorne vor dir befinden, aber Deine Ohren stellen fest, dass das akustische Geschehen nicht unmittelbar mit dem visuellen Reiz korrespondiert. Ich finde es gut, wenn man Sounds, die man in einer Installation hört, nicht direkt einem konkreten Lautsprecher zuweisen kann – es ist schön, wenn Klang räumlich wirkt und die Umgebung füllt!